Gemeinschaftsgestaltung

Hauptthemen der Gemeinschaftsgestaltung sind vorwiegend Probleme und Methoden der Selbstorganisation von Arbeits- und Interessengemeinschaften. Einige Schlüsselfragen in diesem Zusammenhang wären:

  • Wie kann eine Gruppe von Menschen dazu kommen, gemeinsame Ziele zu bestimmen, ohne individuelle Intentionen dabei zu sehr einzuschränken? Wie kann die Umsetzung die­ser Ziele beobachtet, thematisiert und ggf. bezüglich der angewendeten Arbeitsmetho­den verändert werden? Wie können sich Zielsetzungen zusammen mit den an ihrer Umsetzung beteiligten Menschen weiter entwickeln?

  • Wie gehen Menschen innerhalb einer Arbeitsgemeinschaft miteinander um? Wie wer­den sachliche und zwischenmenschliche Probleme behandelt? Wie transparent ist die Kommunikation? Welche regelmäßigen Begegnungsformen gibt es, und wie werden diese gestaltet?

  • Wie werden Beschlüsse gefasst? Wie wird die Einhaltung von Beschlüssen kontrolliert? Was geschieht im Falle der Missachtung gefasster Beschlüsse? Welche Freiräume bleiben den beteiligten Menschen zur individuellen Gestaltung?

  • Was ist die geeignete Struktur für eine Arbeitsgemeinschaft? Wie kann sie sich in sich differen­zieren und eine möglichst große Vielfalt entwickeln, ohne dabei ihre einheitliche Gesamtausrichtung zu verlieren? Wie lässt sich die Selbstorganisation einer Arbeitsgemeinschaft organisieren?

Die hier aufgeworfenen Fragen sind klassische Themenbereiche der Unternehmensberatung sowie der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung in Institutionen und Arbeitsgemeinschaften. Demnach wird es bei der Ausbildung von Fähigkeiten zur Gemeinschaftsgestaltung darum gehen, dass die Mitglieder einer Gemeinschaft in der Lage sind, sich realistische Ziele zu setzen, diese gemeinsam zu verwirklichen und dabei auftretende Probleme zu lösen.

Grundprinzip einer selbstorgansierten Gemeinschaftsgestaltung ist es, externe Kontrolle durch interne - d.h. selbstbestimmte - Kontrolle zu ersetzen, um zu ermöglichen, dass sich eine Arbeitsgemeinschaft wirklich selber gestalten und verwalten kann, anstatt sich von den Vorgaben anderer Institutionen oder Standards abhängig zu machen: Eine Arbeitsgemeinschaft oder Institution, die dazu nicht in der Lage ist, kann keine freie Einrichtung sein.

Die grundsätzliche Fragestellung lautet: Wie kann sich eine Arbeitsgemeinschaft so organisieren und verwalten, dass nicht die individuelle Entwicklung und Selbstbestimmung der einzelnen Beteiligten allmählich immer weiter zurück gedrängt und schließlich eliminiert wird, ohne dass umgekehrt vor lauter individuellen Bestrebungen keine einheitliche Ausrichtung und Arbeit an einer gemeinsamen Zielsetzung mehr möglich ist? Bei komplexeren Arbeitszusammenhängen geht es zudem um die Gestaltung des wechselseitigen Verhältnisses zwischen Gesamtgruppe (Institution), Teilgruppierun­gen (Organen) und einzelnen Mitgliedern (Individuen).

Die Prinzipien der Gemein­schaftsgestaltung unterscheiden sich – ins Große erweitert – nicht wesentlich von den Grundlagen der Gesellschaftsgestaltung. Ohne konkrete Erfahrungen im Umgang mit elementa­ren Problemen der Gemeinschaftsbildung und -organisation hat das Streben nach gesellschaftlichen Veränderungen kein praktisches Fundament und muss daher entweder dilettantisch oder aber auf bloße Forderungen beschränkt bleiben.