Newsletter Nr. 3

Do, 02/25/2016 - 16:21 -- Lars

Liebe Interessenten, liebe Freunde,

nach langer Unterbrechung erreicht Sie hier mal wieder ein Newsletter zur „Selbstorganisierten Bildung“. (Erinnern Sie sich noch an Ihr Abonnement? …) Der Hauptgrund sowohl für die lange Pause als auch für das Versenden dieser neuen Ausgabe ist eine grundlegende Änderung des Gesamtkonzepts, die ich im Folgenden kurz erläutern möchte.

Der ursprüngliche Ansatz ging von drei Voraussetzungen aus:

  1. Unsere Gesellschaft ist prinzipiell reformierbar.
  2. Folglich ist auch unser Bildungssystem prinzipiell reformierbar.
  3. Bei einer Reform unseres Bildungssystems, welche als Hauptziel die Förderung der individuellen Entwicklung von Menschen anstrebt, muss es darum gehen, die Schul-und Hochschulpolitik, die Lehrpläne und Ausbildungsformen, die Lehrerausbildung usw. so zu verändern und zu individualisieren, dass eine solche Förderung möglich wird.

Im Laufe der letzten beiden Jahre bin ich (veranlasst nicht nur, aber auch durch die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen) zu der Auffassung gelangt, dass die erste Voraussetzung, nämlich die Überzeugung von der Reformierbarkeit unserer Gesellschaft, falsch ist. Folglich ist die Annahme, unser Bildungssystem sei reformierbar, ebenfalls falsch, womit sich drittens die Überlegungen zur Reform des institutionellen Bildungswesens in Schulen und Hochschulen als irrelevant herausstellen: Was nützt es, sich zu überlegen, wie bestimmte Änderungen aussehen müssten, wenn diese Änderungen nicht möglich sind?

Dieser Überzeugungswandel hat mich dazu gebracht, die Seite in zweifacher Hinsicht zu überarbeiten, indem ich versucht habe, das Konzept sowohl zu individualisieren als auch zu verallgemeinern, wobei es sich bei Individualisierung und Verallgemeinerung um zwei Seiten derselben Medaille handelt:

  • Individualisierung des Ansatzes bedeutet, dass ich jeglichen Bezug auf offizielle Bildungsstrukturen (d.h. auf Schulen, Hochschulen, Lehrerbildung, Bildungsreformen etc.) aus dem Konzept verbannt habe, um statt dessen ausschließlich den Gedanken der Selbstausbildung des einzelnen Menschen in den Vordergrund zu stellen: Anlässlich der desolaten Lage (und den noch viel schlimmeren Zukunftsaussichten) unserer Gesellschaft scheint mir die Hauptfrage zu sein, welche Initiativen der einzelne Mensch bezüglich seiner eigenen Bildung und individuellen Weiterentwicklung unternimmt. Das schließt den Erwerb sozialer Fähigkeiten (wie etwa Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit) ausdrücklich ein.
  • Verallgemeinerung des Ansatzes bedeutet, dass die Website nicht mehr auf unterschiedliche „Zielgruppen“ (Schüler, Studierende, Auszubildende, Pädagogen, Bildungsinstitutionen usw.) hin orientiert ist, sondern nur noch auf eine einzige Zielgruppe, nämlich alle Menschen, die sich für den Ansatz der Selbstorganisation von Bildung interessieren. Es geht demnach nicht mehr um „Interessengruppen“, sondern um „Interessierte“. Diese Verallgemeinerung ergibt sich aus der im vorigen Punkt skizzierten Individualisierung des Ansatzes.

Konkret haben sich die Veränderungen darin niedergeschlagen, dass die Ideenseite von der gesellschaftlichen Gesamtsituation statt von der speziellen Ausbildungsproblematik in einzelnen Bildungsinstitutionen ausgeht und zunächst die Frage nach den Grundprinzipien stellt, die in unserer Kultur wirksam sind und nach denen sich unser gesellschaftliches und politisches Leben gestaltet:

http://www.selbstorganisierte-bildung.de/idee

Im Mittelpunkt der Hintergrundseite stehen nicht mehr einzelne Aspekte der Bildungsthematik, sondern die Darstellung der vier menschlichen Gestaltungsebenen (Selbstgestaltung, Beziehungsgestaltung, Gemeinschaftsgestaltung und Gesellschaftsgestaltung) sowie die Frage nach der Ausbildung derjenigen Fähigkeiten, die erforderlich sind, um das eigene Handeln selbst bestimmen sowie individuelle Beziehungen und Menschengemeinschaften mitgestalten zu können. Das schließt übrigens die für die Zukunftsperspektiven des Einzelnen elementaren Fragen nach der Gestaltung der eigenen Ausbildung und des eigenen Arbeitslebens ein:

http://www.selbstorganisierte-bildung.de/hintergrund

Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch auf einige Publikationsereignisse der letzten ein bis zwei Jahre aufmerksam machen. Vielleicht haben Sie die Veröffentlichung meiner Untersuchungen zur Frage „Ist Qualität messbar?“ bereits registriert. Sollten Sie diesbezüglich Amazon mit einer kleinen Spende unterstützen wollen:

"Ist Qualität messbar?" bei Amazon

Falls Sie lieber direkt beim Verlag bestellen:

http://www.bod.de/buch/lars-gruenewald/ist-qualitaet-messbaro/9783735737762.html

Und falls Sie erst einmal etwas lesen wollen, ohne Ihre fragilen Regale der bedrohlichen Belastung durch schwere Druckerzeugnisse auszusetzen: Sie können die (immerhin 54-seitige) Einleitung zum Buch kostenfrei als PDF-Datei herunterladen, und zwar hier:

http://www.selbstorganisierte-bildung.de/sites/default/files/materialien/Ist%20Qualit%C3%A4t%20messbar%20Einleitung_0.pdf

Wenn Sie ohnehin Freundin oder Freund kostenfreier Lektüre sind, dann mag es Sie interessieren, dass sich das waldorfpädagogische Magazin „Erziehungskunst“ meines Artikels zur Projektarbeit „Vom Beruf zum Projekt“ angenommen hat:

http://www.erziehungskunst.de/artikel/zeichen-der-zeit/vom-beruf-zum-projekt/

Falls Ihnen ein ästhetisch ansprechendes Design beim Lesen wichtig ist: Derselbe Artikel nochmal, diesmal eingebettet in den „Waldorf-Ideen-Pool“:

http://www.waldorf-ideen-pool.de/index.php?katid=1163

Und jetzt zum zweiten Hauptgrund dieses Newsletters: Um die Verbreitungsmöglichkeiten des Mediums Video zu nutzen, habe ich einen YouTube-Kanal zum Bildungsthema ins Leben gerufen. Er heißt – worauf Sie vielleicht auch ohne meine freundliche Unterstützung gekommen wären – ebenfalls Selbstorganisierte Bildung:

https://www.youtube.com/channel/UCMjk-9BQwC1-0QwYkIMIb0Q

Auf diesem Kanal möchte ich in den kommenden Wochen und Monaten Beiträge bzw. Vorträge zu Themen der gesellschaftlichen Situation und Gesamtentwicklung, zu individuellen Zukunfts- und Bildungsperspektiven sowie zur Ausbildung unterschiedlicher Grundfähigkeiten vorstellen. Der erste bereits veröffentlichte Beitrag beschäftigt sich mit den Grundprinzipien unserer Kultur:

https://www.youtube.com/watch?v=afO-XLtMYxE

Ich hoffe, Sie fühlen sich für die lange Wartepause ausreichend entschädigt …

Herzliche Grüße und bis zum nächsten Mal

Lars Grünewald